Der hochdekorierte Wissenschaftler Prof. Dr. Dr. habil. (Geologie) und Dipl. Ing. für Fernmeldewesen Otto Oesterle forschte als Physiker in Alma Ata (ehem. UdSSR). Durch die damalige Auflösung der Sowjetunion (Glasnost /Perestroika) wurde Prof. Oesterle die Einwanderung nach Deutschland ermöglicht, da seine Großeltern aus Deutschland stammten. Prof. Oesterle erhielt nach kurzer Zeit eine Professur für Theoretische Physik an der TU-Berlin. Bereits in seiner ersten Vorlesungsstunde lehrte er seinen Studenten die Grundlagen der (wie er es nannte) „Realphysik“. Hierzu gehörten beispielsweise einige Passagen der Maxwell`schen Gleichungen, die uns – seiner Ansicht nach – in der allgemeinen Lehrphysik vorenthalten werden. Er definierte an faktischen Beispielen den Unterschied zwischen Lehr- und Realphysik. Prof. Oesterle wurde wenige Tage nach seiner ersten Vorlesung vom Lehrdienst enthoben. Einer Verlautbarung nach durfte er sogar das Gelände der TU-Berlin nicht mehr betreten. Nur wenige Monate nach dieser Tragödie verstarb er, bevor er sein Buch „Vom zersplitterten und widersprüchlichen zum ganzheitlichen Wissen“ veröffentlichen konnte. Prof. Oesterle war ein herausragender Forscher mit einem hohen ethisch-sozialen Anspruch. Er war ein Mensch, wie es bedauerlicherweise viel zu wenig auf der Erde gibt. Hier nun – Otto Oesterle zu Ehren – ein markanter Auszug aus seinem nichtveröffentlichtem Buch:
„Was ist das größte Problem unserer Zeit?
Als der Verfasser vor vielen Jahren (noch in der UdSSR) zu diesen Ideen kam, erwartete er in naiver Weise, daß sie bei seinem ersten Vortrag mit Beifall aufgenommen würden. Heute muß er leider konstatieren, daß es viel leichter ist, etwas zu entdecken, als die Anerkennung dieser neuen Ideen zu erlangen. Auch die Hoffnung des Verfassers, daß in der “fortgeschrittenen Industriegesellschaft” Deutschlands neue Ideen stärker unterstützt würden als im “unterentwickelten” Kasachstan, war naiv. Im Gegenteil, er mußte feststellen, daß in der deutschen Wissenschaft Dogmen und Verkrustungen viel mächtiger sind als in den heutigen GUS-Ländern (vielleicht weil die Gehälter der Wissenschaftler hier höher sind?). In der Wissenschaft ist es wie beim Klavierspielen: das Lernen ist viel leichter als das Umlernen. Heute hat man aber keine Zeit wie früher, um auf einen Generationswechsel zu warten (außerdem kann es diesen nicht geben, weil die falschen, aber anerkannten Ideen bessere Chancen haben, die nächste Generation zu prägen).
Als besonders schwierig erweist es sich, neuen Ideen im Bereich der Grundlagen der Wissenschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Alle glauben, daß die Grundprinzipien unseres Wissens endgültig feststehen und wahr sind. Sehr eindrücklich hat sich der russische Biophysiker J. A. Liberman (1990) über diese Situation geäußert: „Mit der Hartnäckigkeit eines Maulwurfs vergräbt sich der moderne Biologe immer tiefer in sein Problem. Und schaut wie auf einen Verrückten auf jemanden, der sich emporhebt und fragt: was ist eigentlich das Leben?“.
Die falschen Dogmen blockieren die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft. Ihre Verteidiger sind nicht nur Rabbiner, Päpste oder Ajatollahs, heute sind es auch Präsidenten von wissenschaftlichen Akademien mit ihren Scharen von anerkannten “Experten”. Es gibt aber im Prinzip für das Neue außer seinen Autoren selbst keine Experten, wie der bekannte Journalist Gottfried Hilscher (1996) ganz richtig meint. Die Dogmen sind in den Grundlagen der Wissenschaft besonders schädlich, weil sie sich in den angewandten Wissensbereichen mehrfach widerspiegeln und deren Entwicklung blockieren. Sie müssen so schnell wie möglich durch ein neues, richtiges Weltbild ersetzt werden. Dieses Buch ist ein Versuch, ein solches ganzheitliches Weltbild darzustellen.“
Habt ihr jemals von diesem Buch gehört? Mögen die mutigen Leistungen von Otto Oesterle nicht vollständig umsonst gewesen sein…
Sollte sich seit Sokrates, der wohl das erste berühmte (Todes-)Opfer einer dogmatischen Denkstruktur gewesen sein mag, wirklich nichts geändert haben…?
(O. Oesterle forschte in Nürnberg/Feucht zusammen mit L. Steib und D. Broers.)
Weiterführende Informationen zu Prof. Dr. Dr. Otto Oesterle:
Otto Oesterle wurde 1940 in Aserbaidschan, als Nachkomme schwäbischer Auswanderer nach Russland (um 1818), geboren. 1941 als Deutscher nach Ostkasachstan interniert, wuchs er als „Hinterwäldler“ dort auf. 1956 wurde die Kommandantur (sowjetische Verbannung) aufgehoben, was seine Übersiedlung nach Alma-Ata 1957, nach Abschluss der Mittelschule, ermöglichte. 1964 absolvierte er mit Auszeichnung die Hochschule für Fernmeldewesen in Tashkent. 1968 erfolgte seine Aufnahme in das Forschungsinstitut für Mineralrohstoffe in Alma-Ata, – als Elektroingenieur. Hier promovierte er 1977 in Mineralogie und 1990 in Moskau als Dr. Dr. (Habilitation). Seit 1992 lebt er in Deutschland und hat über zwei Jahre an der Technischen Universität Berlin gearbeitet.
Der Schwerpunkt seiner langjährigen wissenschaftlichen Tätigkeit – die Grundlagen der Naturwissenschaften. Er ist Autor von 45 Erfindungen und über 100 wissenschaftlichen Veröffentlichungen (v.a. in Russisch). 1996 erschien in der Schweiz sein erstes Buch in deutsch: „Ausweg aus der Sackgasse – ein ganzheitliches naturwissenschaftliches Weltbild“. Sie lesen hier eine gründlich überarbeitete und erweiterte Ausgabe dieses Buches. Es ist ein Versuch, unser zersplittertes und verzweigtes Wissensgebilde. das heute dem Turmbau zu Babel sehr ähnelt, auf einem neuen Niveau – dem Prinzip der Ganzheitlichkeit (Holismus) – zu vereinigen.




















