Die Zeit läuft schneller!
Seit Anfang der 1990er Jahre kursieren Gerüchte, die Zeit liefe schneller. Niemand wusste so recht, wie das eigentlich vor sich gehen könnte, aber alle redeten erst einmal mit. Manche sprachen von einer Verlangsamung der Erdrotation, andere bemühten das Einwirken außerirdischer Intelligenzen, dritte waren überzeugt, es handle sich schlicht um einen Reinigungsprozess der Erde, der sich entsprechend auswirke. In der Rückschau bestätigt sich manches, während die Masse der Vermutungen weit daneben lagen. Es gab auch eine Gruppe, die vehement die Ansicht vertrat, es handele sich lediglich um eine veränderte Wahrnehmung, die mit zunehmendem Alter einsetze.
Auf den letzten Punkt lohnt es, etwas genauer einzugehen. Dass sich die Wahrnehmung von Zeit tatsächlich mit zunehmendem Alter verändert, kann vermutlich jeder an sich selbst beobachten. Aber warum ist das so? Hat es mit den gleichen Phänomenen zu tun, die Gegenstand der Betrachtung dieses Artikels sind ? Eher nicht, denn wenn ich den Aussagen von Menschen der Generationen meiner Großeltern und Eltern Glauben schenken darf, dann war dieses subjektive Empfinden zu allen Zeiten vorhanden! Es sollte also noch weitere Einflussgrößen geben, die eine bedeutende Rolle bei der Wahrnehmung von Zeit spielen, und dem ist auch so.
Frage: Wie schnell vergeht die Zeit, wenn Sie einer Tätigkeit nachgehen, die Sie Ihrem schlimmsten Feind nicht wünschen würden? Für manche mag es sich um das Ausfüllen der Steuererklärung handeln, andere haben einen Horror vor Hausarbeit. Was immer es für Sie persönlich auch sei, der Effekt ist zu einhundert Prozent identisch: Die Zeit vergeht im Schneckentempo. Es fällt Ihnen sicher leicht ein Beispiel für die Gegenprobe zu finden! Rufen Sie sich eine schöne, angenehme, vielleicht sogar mit Enthusiasmus verbundene Situation ins Gedächtnis, wie immer diese auch für Sie aussehen mag. Und? Genau, die Zeit rast! Jeder Sportler weiß, wie die Zeit verfliegt, wenn man nur noch fünf Minuten hat, um einen Rückstand aufzuholen.
Aber, woran liegt das? Worin liegt der Unterschied in der Qualität der jeweiligen Zeit? Wie intensiv erleben Sie das, was Sie tun, wenn die Zeit kriecht und wie sieht’s mit der Intensität aus, wenn das Gegenteil der Fall ist? Der Unterschied liegt auf der Hand. Je intensiver mein Erleben ist, desto schneller vergeht die Zeit. Je intensiver ich jeden einzelnen Moment erlebe, desto mehr verliere ich das Gefühl dafür, wieviel Zeit vergangen ist. Je mehr ich im Moment bin, desto weniger existiert Zeit für mich. Im Moment sein bedeutet nichts anderes, als eins zu sein mit meinem ICH BIN, meinem inneren Wesenskern, meiner Göttlichkeit. Es bedeutet auch die Abwesenheit von Gedanken, die mich von dem ablenken, was ich gerade tue. Es bedeutet mit ganzem Herzen bei der Sache zu sein. Es bedeutet auch das Gegenteil von Multi-Tasking. Es bedeutet, bei einer Sache zu sein, völlig ungeachtet aller Umwelteinflüsse. Es bedeutet aufzugehen in diesem einen Moment und damit die Zeit rasen zu lassen. So, wie wir es als Kind allesamt konnten…
Eckhart Tolle’s Arbeit illustriert all das ganz wunderbar und gibt dem Leser Möglichkeiten an die Hand, sich im Erleben des Momentes zu üben. Über den Moment erschließt sich der innere Raum der Stille, der Ihren ganz individuellen Zugang zu etwas darstellt, was als zeitlose Ewigkeit bezeichnet werden könnte. In unserem Kontext nenne ich es den Hintergrundraum oder Hyperraum.
Fortsetzung folgt…